Augustschmerzen oder wie soll ich sagen?

Heute möchte ich Euch erzählen, wie so der Monat August 2015 verlaufen ist.

Der August fing schon mal gut an, denn da hat mein kleiner Enkel Mika Geburtstag. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich seinen 8. Geburtstag erleben durfte und dabei war. Alle seine Kumpels aus der Schule und Nachbarschaft waren gekommen und wir haben im Garten gefeiert. Es war ziemlich heiß und die Kinder vergnügten sich im Pool. Vorher sind sie auf Schatzsuche gegangen. Das war ein ziemlich aufregender Tag für die Kinder, hatte ich jedenfalls den Eindruck.

Die erste Woche verlief relativ normal mit Atemtherapie, Training und Manuelle Therapie für meinen Rücken , jedoch mit der Einschränkung, dass ich mit der Lendenwirbelsäule riesige Probleme hatte. Schmerztabletten halfen nur stundenweise.

In der zweiten Woche beschäftigte ich mich mit meiner Aufgabe RG-Leitung Rhein-Main und rief einige Mitglieder an um e-mail Adressen abzugleichen oder zu erfragen. Viele waren wohl im Urlaub oder gerade dabei die Koffer zu packen. Also schrieb ich Pressemitteilungen an verschiedene Selbsthilfekontaktstellen in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach.

Dann machte ich mich auf die Suche nach  örtlichen oder überregionalen Podologen-Praxen. Dazu recherchierte ich im Internet und fand auch einige Adressen. Und zwar unter dem Oberbegriff Podolgen fand ich diesen Link, der doch sehr hilfreich war:

http://www.podologenliste.de

Ich erstellte eine Exceltabelle und rief nacheinander alle Praxen an. Manche waren sehr freundlich, aber überwiegend hatte ich den Eindruck, dass ich mit meinem Anruf gerade fürchterlich stören würde. Richtig genervt und scheinbar überfordert, sagten die meisten, dass sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen würden.  Bei vielen Praxen schaltete sich auch sofort der Anrufbeantworter  an und tat kund, dass wohl gerade eine Behandlung stattfindet und man nicht ans Telefon gehen könnte.

Ich versendete noch einige emails, soweit vorhanden. Da hatte ich mehr Glück. Rückmeldung mit kompletter Adresse, Erreichbarkeit usw. hatte ich nun schriftlich um sofort Kontakt aufzunehmen. Einen Termin bekam ich sofort für den darauffolgenden Samstagvormittag. Die anderen erst in 3-5 Wochen. Dieser Termin fand in Frankfurt statt, bei der neu gegründeten Podologieschule. http://www.podologieschule-frankfurt.de.

Das ist eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für Podologie in der Gutleutstr, 163-167 in 60327 Frankfurt am Main. Hier kann man nochmal die Praxis genauer ansehen: http://www.maxQ@.net

Dort ist man ein Probant und wird von angehenden Podologen und einer ausgebildeten Fachkraft betreut. Das fand ich Klasse. Die Praxis ist nagelneu eingerichtet und kam mir regelrecht steril vor. Genau wie ich es eigentlich brauche als transplantierte Patientin. Man hat sich ca. 1 Stunde Zeit genommen, meine Vorgeschichte mit allen Diagnosen und Medikamenten notiert und war doch sehr bemüht und umsorgte mich perfekt. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und hinterher seidenweiche Füße und perfekt geschnittene Nägel. Nichts hat mehr gedrückt oder wehgetan beim Laufen. So soll es doch sein.

Für September trug ich einige Termine für Veranstaltungen mit dem Bundesverband der Organtransplantierten für fast jedes Wochenende ein und hoffte inständig, dass nix dazwischen kommen würde. Leider kam es dann anders. Mit meinen Nachbar“eltern“ war ich mal wieder essen. Leider hatte das Lokal keinen guten Tag. Es gab eine minimierte Speisekarte mit Schnitzel oder Rumpsteaks. Das fand ich alles viel zu mächtig und ich fragte nach einer kleinen Portion „Grillteller“ mit etwas Reis. Was dann kam, verschlug mir die Sprache. Ein Teller so groß wie ein Wagenrad, dazu ein Riesenfleischspieß, ein Mordsgroßer Fleischklops und 5 kleine Hackfleischröllchen, dazu noch zwei Bälle Tomatenreis, also eine ganz normale Portion. Bereits beim ersten Bissen hatte ich ein ungutes Gefühl und ich habe nicht weiteressen können. Es roch komisch, das Fleisch ließ sich vom Spieß nicht lösen und die Röllchen waren steinhart. Der Reis war  wohl in Tomatenbrühe gelegt worden, er zerfloss auf dem Teller. Den ganzen Sonntag ging es mir schlecht und ich sagte am Montag alle Termine ab. Der Magen schmerzte  und ständig war mir übel.

Am Dienstag würgte ich abwechselnd mit Toilettengang. Ich telefonierte mit meiner Lungen-TX-Ambulanz in Gießen und es hieß, ich solle vorbeikommen und mich in der ZNA vorstellen. Das ist die Zentrale Not Aufnahme. Irgendwie hab ich noch organisieren können, dass ich mit dem Taxi hinfahren konnte. Ich selbst wäre nicht im Stande gewesen, selbst zu fahren. Ich lag einige Stunden in der ZNA, bekam zwischendurch 38,5 Fieber und damit war der Zugang für die Station 2.1 gesichert. Und ich hatte nix dabei, weil ich fester Überzeugung war, wieder nach Hause zu können.

Nun ging die Maschinerie los. Röntgen Lunge, Blutabnahmen ohne Ende, viel  Übergeben und Toilettengang, Antibiose über i.V. und Magenspiegelung. Nach 8 Tagen konnte ich wieder nach Hause. Frühmorgens beim Brötchenessen brach noch ein Stückchen Backenzahn ab.  Im erbärmlichen Zustand, aber immerhin. Ich war zuhause, wo es doch um einiges ruhiger ist und ich mich erst mal wieder erholen konnte.

Viele Zahnärzte hatten Urlaub und waren nicht besetzt. Auf Empfehlung rief ich eine Praxis in Walldorf an. Dort sagte die Sprechstundenhilfeschülerin, es habe jemand abgesagt und ich könne gleich 5 Tage später am Dienstag kommen. Wie immer war ich einiges zu früh. Das war auch gut so, denn ich sollte zwei Seiten Anamnese-Fragenbogen ausfüllen. Sowas, ob ich schwanger wäre, war auch dabei. Beim Zahnarzt. Ich seufzte und füllte alles aus. Siehe Diagnoseliste. Siehe Medikamentenliste. Das hatte ich vorher alles vorbereitet und aus ausgedruckt und dem Fragebogen beigefügt. Ausserdem saß ich dort mit Mundschutz, was für alle sehr befremdlich war. Es fragte aber keiner, somit sagte ich auch nichts. Die Ärztin schaute dann in meinen Mund, sah die Bescherung und sagte, dass sie vorschlagen würde eine bessere Keramikfüllung zu machen. Das kostet dann 85 Euro, die zahlt aber die Kasse nicht. Ich auch nicht, erklärte ich kurz und bündig. Es war eine Füllung drin – von der Kasse bezahlt, und die hat 30 Jahre gehalten. Also war die nicht so schlecht, wie man das heute hinstellen will. Was die Kasse nicht zahlt, ist für mich dann auch nicht effektiv und relevant mein Krankheitsbild zu verbessern.

Danach war alles anders. Dann müsse man einen neuen Termin machen, weil sie alles vorbereiten müsse. Das nähme sehr viel Zeit in Anspruch. Ich bekam einen Termin für 8 Tage später. Als ich schon gehen wollte, fiel mir ein, dass dieses Loch ja offen ist. Können sich da nun Keime einschleichen? Ins Blut übergehen und vielleicht Entzündungen machen? Ich drehte wieder um und bat, noch einmal kurz mit der Ärztin zu sprechen. Die Helferin sagte:“Nein! Das geht jetzt nicht! Die Ärztin ist in einer Behandlung, es ist schon der nächste Patient bei ihr. Um was geht es denn?“ Ich sage ihr was ich wissen will, ob evtl. Keime eindringen können und ich eine Infektion bekommen kann. Sie geht langsam zur Tür und klopft zaghaft an. Nach 20 Sek. kommt sie zurück und sagt: „Also, Sie haben doch in 8 Tagen Termin, das geht schon in Ordnung!“ Mir bleibt für einen Moment die Luft weg und es verschlägt mir die Sprache.

Am nächsten Morgen rief die Praxismitarbeiterin an und berichtete mir, dass die Ärzte sich besprochen haben über meinen „Fall“ und beschlossen haben, nach Sachlage einer Risikopatienten, die Behandlung nicht fortzuführen und der Termin damit abgesagt werden muss. Ich solle doch ins Karolinum nach Frankfurt gehen. Wobei sie aber erst die Nummer lange und umständlich suchen musste. Pft! Ich zeigte am Telefon den Stinkefinger, bedankte mich für die Offenheit und legte auf. Bow, das hat mich echt geschockt. Nur weil ich die 85,00 Euro nicht zahlen wollte?

Zuhause angekommen, rief ich die Lungenambulanz an. Was soll ich machen, mein Zahnarzt ist noch im Urlaub. Eigentlich kennt er mich nicht mehr. Aber die Zahnklinik der Uni Gießen könne mir doch evtl. helfen. Genau, so machen wir es, riet mir Schwester B. Ich rufe in der Zahnklinik/ Poliklinik-Ambulanz  an und bekomme für ein paar Tage später den Termin. Doch… auch hier gibt es Terminschwierigkeiten. Nach Sichtung in der Poliklinik werde ich nach „oben“ geschickt in die Füllungsabteilung. Dort sagt die Sekretärin, dass es heute nicht mehr geht. Nachdem ich ihr geschildert hatte, dass ich transplantiert wurde und bei den Ärzten da draußen als Hochrisikopatientin gelte, ich auch nicht grad mal um die Ecke wohne und Nachts in die Dialyse muss, von wo ich an dem Tag auch gerade herauskam, hatte sie plötzlich eine Idee und stellte mich beim Arzt vor. Man könne doch wenigstens das Loch provisorisch zu machen. Der junge Arzt schaute sich das an und schüttelte den Kopf. „Wie bitte? Son Quatsch! Das mache ich gleich richtig zu!“ Zack…sprach und fing sofort mit der Behandlung an und in 20 Minuten waren wir fertig. Manchmal geht es, aber manchmal…..

Wie es im September weitergeht, schreibe ich in den nächsten Tagen. Mein Rücken meldet sich schon wieder. Scheinbar habe ich zu lange am PC gesessen.

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Über wartezeitblog

Barbara Eyrich wurde 1949 in Bremen geboren und lebt heute in Mörfelden-Walldorf, Nähe Flughafen Frankfurt/Main. Sie ist geschieden und hat eine Tochter, die mit Ehemann und Sohn in Rodgau lebt und seit 2010 schriftstellerisch tätig ist. Vor der Transplantation war Barbara Eyrich als Immobilienmaklerin selbständig in Frankfurter Büros, Mörfelden-Walldorf und als Inhaberin eines eigenen Büros in Dreieich-Sprendlingen tätig. Durch verschiedene Nebentätigkeiten konnte sie sich über „Wasser“ halten. Sie engagierte sich für die Selbsthilfe und leitete von 2005 - 2012 zwei Selbsthilfegruppen und gründete 2007 auch eine Lungensportgruppe im Bereich Lungenemphysem-COPD. Nach der Transplantation hat sie sich von diesen Aufgaben zurückgezogen um sich ganz auf die Rehabilitation zu konzentrieren. Die Website der Autorin: http://wartezeitbog.wordpress.com Die Autorin im Internet: https://www.facebook.com/barbara.eyrich *** Juni 2013 Copyright © der Originalausgabe Barbara Eyrich | Mörfelden-Walldorf | barbara.eyrich@googlemail.com Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden. Titelbildgestaltung: Claus-Gregor Pagel
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