Man muss daran glauben, dass Glück möglich ist

Das Jahr 2015 hat ja gut angefangen.  Wo sind die Monate geblieben von Januar bis Mai? Ich kann es kaum glauben, so sehr bin ich beschäftigt.

Im Januar muss die Weihnachtsdeko wieder in den Keller und man überlegt, ob man nun für die Weihnachtsscheinchen Klamotten kauft oder doch lieber ein neues Möbelstück. Ich habe neuerdings Entscheidungsschwierigkeiten. Soll ich jetzt dies machen oder das? Manchmal mache ich dann einfach beides nacheinander. Das funktioniert auch.

Es geht wieder alles sehr gut, z.B. Autofahren, Einkaufen, Besorgungen machen. Und da fällt mir jeden Tag neu auf, wie glücklich und froh ich dabei bin. Wunderschön, wenn morgens die Sonne scheint und der blitzeblaue Himmel nur kleine weiße Wölken zeigt. Die Vöglein rufen morgens und wecken mit ihrem fröhlichen Gezwischere die ganze Nachbarschaft. Ohne Atemnot aufstehen, ins Bad und Duschen, Zähne putzen, anziehen – alles geht wieder total automatisch. Beinahe wie früher.

Die Dialyse wurde  letztes Jahr umgestellt auf die Nachtstunden. Zum einen sind sieben Stunden an der (Wasch)Maschine hängen viel effektiver und zum anderen, liege ich Nachts im Bett und kann meistens auch schlafen. Somit ist am anderen Tag doch mehr Zeit übrig, um etwas zu unternehmen. Um sechs Uhr bin ich dann meistens wieder zuhause und kann nochmal ein oder zwei Stunden schlafen.

Manchmal habe an so einem Morgen Kontrolltermin in der Uni Gießen. Ich werde dann um 7 Uhr abgeholt, dass ich um 8 Uhr dort bin für die Anmeldung. Das dauert immer, je später man kommt warten noch 36 andere Patienten vor mir.

Ich war zweimal in diesem Jahr im Lungensport, weil meine Termine in der Praxis für Physiotherapie Lehneis in Oberroden dreimal in der Woche sind. Da fahre ich auch selbst hin. Montags RAT = Reflektorische Atemtherapie, Mittwochs Manuelle Therapie für meine Lendenwirbel und danach Training im ersten Stock an 5-6 Geräten und dem Ergometer. Auch hier konnte ich schon tolle Ergebnisse erzielen. Dabei stachele ich mich immer selbst an und überfordere mich auch manchmal.

Freunde oder Bekannte hatten Geburtstag und ich war dabei. Leider ist das nicht immer so, dass Verständnis für mein Einschränkungen beim Essen aufgebracht wird. Meistens steht ein herrliches Buffet aufgebaut mit Lachsschnittchen, rohem Schinken und jede Menge Deko. Salatblatt, Petersilie, ungeschälte Tomaten und Gurken. Nudel- und Kartoffelsalate mit Mayonaise und wenn die nicht, dann eben andere Salate die gut durchgezogen sind über Nacht. Es mag ja sein, dass alles ganz lecker schmeckt. Aber… es ist wirklich niemandem bewußt, welche Keime und Bakterien sich in Salaten und Rohkost befinden und unter klimatischen Bedingungen in Windeseile vermehren können. Ein son blöder Keim oder Bakterium kann mich ins Krankenhaus bringen. Im schlimmsten Fall kann ich mich nie wieder erholen oder wache nie mehr auf. So schön diese Buffets anzuschauen sind, für mich ist es purer Horror.

Ebenso bei Grillparties. Damit es schnell geht, wird bereits fertig abgepacktes und eingelegtes Grillfleisch gekauft. Aus der Folie heraus wird es manchmal auch nicht gleich verarbeitet und steht auf einem Teller, der nicht abgedeckt ist, in der Sonne. Auf dem Grill wird das Fleisch bestimmt auch nicht 10 Minuten gelassen und manche gießen dann noch ordentlich Bier drauf und lassen alles noch verbrennen. Das ist doch lecker!

Ende Januar hatte ich noch eine Kathederuntersuchung an meinem Herzen. Das ist noch eine der Untersuchungen die für die Listung einer Spenderniere notwendig sind. Ich war drei Tage dort und wollte auch eigentlich schon nach Hause. Ich hustete aber plötzlich die Seele raus und bekam hohes Fieber. Sofort wurde festgestellt – Influenza A. Mist! Isolation in ein Einzelzimmer das ich nicht verlassen durfte. Nach acht Tagen durfte ich wieder nach Hause. Nun dachte ich so bei mir, dass ich mit allem wieder von vorne anfangen müsste. Der Husten wurde nicht besser und die Lunge hat leider auch gelitten. Meine Werte haben sich verschlechtert. Mit zusammengebissenen Zähnen, so wie ich das immer mache, habe ich alles meine Termine absolviert. Danach meistens gleich wieder ins Bett.

Im Februar parke ich mein Auto vor der Drogerie. Im Halteverbot. Alle Plätze drum herum waren belegt. Als ich auf die Eingangstür zuging, gab es hinter mir einen Knall. Erschrocken drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ein anderes Fahrzeug hing am hinteren Kotflügel. Die Fahrerin stieg aus und besah sich den Schaden. Ich lief auf sie zu, ganz langsam:

„Na, da haben Sie wohl nicht geguckt, was hinter Ihnen ist?“ Sie war genauso erschrocken wie ich. Eine ganz schöne Beule in meinem Auto. Ein fleissiger „Zeuge“ lief sofort um beide Autos herum und machte Fotos. „Sie stehen ja im Halteverbot!“  Ich ganz cool: „Na dann fotografieren Sie bitte auch den Rollstuhlausweis.“ Hat er auch gemacht.

Tja, da geht es auch wieder los und ich musst mich um die Reparatur und melden bei der Versicherung kümmern. Hier ein Antrag, da ein Vertrag. Echt, das finde ich so überflüssig. Gutachter kam gleich am anderen Morgen um 9 Uhr. „Schildern Sie mir bitte was passiert ist!“ sagte er. Naja, die Dame hat auf jeden Fall schuld, rückwärts fahren und ein parkendes Auto anfahren. Man stelle sich vor, da hätte ein Kind gestanden!

Jetzt kommt dann noch der Clou. Ich bekam einen Werkstattersatzfahrzeug vom Reparaturbetrieb. Dazu musste ich einen Leihwagenvertrag abschließen. Blöderweise habe ich nicht gesehen und es hat mir auch niemand gesagt, dass bei einem Schaden eine Selbstbeteiligung bis zu 1.020,00 Euro zu zahlen sind. Ich freute mich über das tolle Auto und fuhr richtig gerne damit durch die Gegend. So auch am 3. Tag. Parke in Neu-Isenburg auf einem Parkplatz, neben mir ein weißer dicker Mercedes. Als ich wieder aus dem Schnellrestaurant kam, waren am Leihwagen dicke Kratzer. Mir blieb fast das Herz stehen! Auch das noch. Bei Rückgabe musste ich das natürlich sagen und prompt kam nach ein paar Tagen auch die Rechnung. Selbstbeteiligung in Höhe von 1.020,00 € sofort zu zahlen. Da gings dann rund hier. Ich telefonierte mit einem Anwalt von der Rechtschutzversicherung, Verbraucherschutz, Freunde und Bekannte. Es war nur noch nervenaufreibend das ganze. Was ein Glück hat mir eine gute Freundin geholfen und ich konnte die Angelegenheit vergessen. Die nächsten Monate ist Sparen angesagt.

Im März habe ich einiges in meiner Wohnung umgestellt und geändert. Die Sommerdeko aus dem Keller usw. und sofort. Meine Rückenschmerzen sind tageweise unerträglich.

Der April war so chaotisch, das kann ich hier gar nicht alles aufzählen. Wieder nach Gießen in die Ambulanz der Orthopädie. Röntgen, Besprechungen, Warten. Im Juni soll MRT gemacht werden.

Ich trennte mich von meiner Haushaltshilfe. Wie das immer so ist. Ein Wort gibt das andere. Nach elf Monaten „Ausbildung“ bei mir, konnte ich keine Selbständigkeit bei ihr feststellen. Ich musste immer dabeibleiben und das raubte mir auch die Zeit, die ich dringend für meine Angelegenheiten brauchte. Ständig brauchte sie Urlaub oder konnte nicht rechtzeitig da sein. Verschlafen, Bus kam nicht, Zug verpasst, Schlüssel vergessen. Mir reichte das dann alles. Gut, dass sie von alleine „Streit“ anfing, so hatte ich noch einen Grund mehr, mich doch lieber von ihr zu trennen. Von heute auf morgen stand ich alleine da. Ging auch mal, aber nur vier Wochen. Jetzt bin ich wieder gut versorgt.

Neuerdings backe ich mein Brot selbst. Das geht so einfach und vor ein paar Jahren wäre das  nicht möglich gewesen. Ich hätte das Handrührgerät gar nicht festhalten können und die Rührschüssel. Da weiß ich, dass keine Konservierungsstoffe oder andere belastende Stoffe drin sind.

So langsam kümmere ich mich auch wieder um die Marketingabteilung. Da habe ich sehr viel versäumt in den letzten Monaten. Mal sehn, ob meine Mails und Postings, Spots usw. etwas bewirken. Aber jetzt ist erstmal Pfingsten und da bewegt sich ja auch nicht viel, außer die Blechkolonnen auf der Autobahn nach Nord und Süd.

Für heute ist das erst einmal alles. Ich bastel noch an einem Videoclip mit Lesung eines kurzen Ausschnitts aus meinem Buch.

Bis bald und haltet Euch munter!

Barbara Eyrich – Flyer 3

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Über wartezeitblog

Barbara Eyrich wurde 1949 in Bremen geboren und lebt heute in Mörfelden-Walldorf, Nähe Flughafen Frankfurt/Main. Sie ist geschieden und hat eine Tochter, die mit Ehemann und Sohn in Rodgau lebt und seit 2010 schriftstellerisch tätig ist. Vor der Transplantation war Barbara Eyrich als Immobilienmaklerin selbständig in Frankfurter Büros, Mörfelden-Walldorf und als Inhaberin eines eigenen Büros in Dreieich-Sprendlingen tätig. Durch verschiedene Nebentätigkeiten konnte sie sich über „Wasser“ halten. Sie engagierte sich für die Selbsthilfe und leitete von 2005 - 2012 zwei Selbsthilfegruppen und gründete 2007 auch eine Lungensportgruppe im Bereich Lungenemphysem-COPD. Nach der Transplantation hat sie sich von diesen Aufgaben zurückgezogen um sich ganz auf die Rehabilitation zu konzentrieren. Die Website der Autorin: http://wartezeitbog.wordpress.com Die Autorin im Internet: https://www.facebook.com/barbara.eyrich *** Juni 2013 Copyright © der Originalausgabe Barbara Eyrich | Mörfelden-Walldorf | barbara.eyrich@googlemail.com Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden. Titelbildgestaltung: Claus-Gregor Pagel
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