Kontrolltermin in Gießen

So ziemlich alle 3 Monate muss ich zur Uniklinik Gießen fahren für den obligatorischen Kontrolltermin in der Lungentransplantations-Ambulanz. Meistens bin ich gegen 8:30 Uhr dort, manchmal auch früher. Am Mittwoch, 31.7.2013, ist wieder so ein Tag. Ich muss mich darauf einsstellen, dass alles sehr lange dauert. Es fängt bereits bei der Anmeldung an, dort kommen alle Patienten zusammen, die in die Medizinischen Ambulanzen wollen, also die für die Pneumologie und für die Kardiologie. Ein Automat hängt an der Wand mit einem Knopf, wenn man drauf drückt kommt ein Zettel vorne heraus mit einer Nummer. Diese Nummer wird dann an einer Anzeige vor dem Anmeldezimmer am Fenster angezeigt. Das dauert häufig furchtbar lange, weil die Anmelder aller erklärt bekommen müssen, wo sie nach der Anmeldung überhaupt hingehen müssen. Manche habe auch ihre Versichertenkarte oder die Überweisung nicht parat oder gar vergessen. Dann gilt es Formulare ausfüllen, mit Unterschriften zu versehen und dann geht es weiter die umständliche Wegbeschreibung, die ein nicht deutsch Sprechender nicht gleich versteht. Sobald meine Nummer aufgerufen wird, geht es wieder schneller. Ich habe immer alles gleich in der Hand, wenn ich an den Schalter trete. Wenn ich im Computer angemeldet bin für den Tag, bekomme ich die Stickers mit meinen Daten ausgedruckt. Die werden dann auf die Blutröhrchen geklebt oder auf eventuelle Konsilanforderungen, wie z.B, Röntgen. Ich maschiere also mit meinen Stickers zur Anmeldung Pneumologie/LTx-Ambulanz, lege dort den Bogen mit den Stickers in ein Körbchen und setze mich in den Wartebereich bis ich aufgerufen werde.

Das dauert manchmal schon 20-30 Minuten, je nach dem Aufkommen der Menschen, die auch einen Termin haben. Zuerst wird Blut abgenommen, was bei meinen schlechten Venen nicht gerade Spaß macht. Aber die Schwestern sind allesamt höchst kompetente Mitarbeiter und bekommen es immer wieder hin, dass kaum blaue Flecke entstehen, geschweige, das es weh tut.

Dann wird das Ohr mit Salbe eingeschmiert, die nach einiger Zeit furchtbar anfängt zu jucken und zu brennen. Es ist eine Rheumasalbe, die bewirken soll, dass die Blutgefäße sich weiten und so besser Blut abgenommen werden kann. Diese Untersuchung nennt man BGA oder ASTRUP. Die Blutgasanalyse gibt Aufschluß über den tatsächlichen Sauerstoffgehalt im Blut. Astrup ist der Name des Erfinders.

Ich muss zur Lungenfunktion weiter und dort warten. Sehr oft treffe ich dort andere Transplantierte an, die ich kenne und wir können uns dann unterhalten. Wie machst du dies oder das und meistens geht es um Ernahrunsfragen. Wie z.B. die Frage, ob man wirklich keine Kirschen essen darf. Na ja aus dem Supermarkt würde ich keine kaufen. Auch nicht an irgend einem Stand an der Straße. Aber frisch gepfückt vom Baum in Nachbarsgarten, wo ich weiß der hat nichts gespritzt, dann wasche ich die ganz oft und dann … Genüßlichkeit pur!

Nach gefühlten ewiger Zeit wird man dann endlich aufgerufen und es geht in die Lungenfunktion und Abnahme der BGA. Die wird meistens zuerst gemacht, danach die Lungenfunktion in der Kabine. Wenn ich fertig bin, laufe ich zurück zum Fenster des Schwesternzimmers und gebe Bescheid, dass ich fertig bin. Wenn ich Glück habe, liegen in der Zwischenzeit alle Blutwerte vor. Ansonsten muss ich noch warten. Manchmal ist auch der Professor noch in der Bronchoskopieabteilung. Dann dauert  die Wartezeit noch etwas länger. Dann gehe ich inzwischen in die Kantine und esse dort eine Kleinigkeit oder hole mir einen Kaffee im Kiosk und eine Brezel.

Es wird häufig bereits 12 Uhr bis ich endlich vom Professor aufgerufen werde. Wir sprechen über die Blutergebnisse, die Lungenfunktion und die Medikamente. Bei mir muss jedes Mal irgend ein Medikament umgestellt werden. Ich bekomme noch Rezepte oder Verordnungen mit nach Hause und dann darf ich gehen. Nicht ohne mich zu bedanken und immer wieder betonen, wie gut doch meine linke Lunge funktioniert und keine Probleme macht. Da kann ich alles andere doch viel besser in Kauf nehmen, die Dialyse oder jetzt die neue Diagnose mit der Skoliose der LWS und den Bandscheibenvorfällen. Das kriegen wir bestimmt in den Griff. Bin ich überzeugt davon!

Ich lass mich doch nicht transpantieren und gebe dann irgendwann auf, nur weil ich keine guten Diagnosen bekommen habe. Also, weiterhin heißt es für mich kämpfen, warten, trainieren und nebenbei noch ein bissl Leben.

Eure Barbara

 

 

 

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Über wartezeitblog

Barbara Eyrich wurde 1949 in Bremen geboren und lebt heute in Mörfelden-Walldorf, Nähe Flughafen Frankfurt/Main. Sie ist geschieden und hat eine Tochter, die mit Ehemann und Sohn in Rodgau lebt und seit 2010 schriftstellerisch tätig ist. Vor der Transplantation war Barbara Eyrich als Immobilienmaklerin selbständig in Frankfurter Büros, Mörfelden-Walldorf und als Inhaberin eines eigenen Büros in Dreieich-Sprendlingen tätig. Durch verschiedene Nebentätigkeiten konnte sie sich über „Wasser“ halten. Sie engagierte sich für die Selbsthilfe und leitete von 2005 - 2012 zwei Selbsthilfegruppen und gründete 2007 auch eine Lungensportgruppe im Bereich Lungenemphysem-COPD. Nach der Transplantation hat sie sich von diesen Aufgaben zurückgezogen um sich ganz auf die Rehabilitation zu konzentrieren. Die Website der Autorin: http://wartezeitbog.wordpress.com Die Autorin im Internet: https://www.facebook.com/barbara.eyrich *** Juni 2013 Copyright © der Originalausgabe Barbara Eyrich | Mörfelden-Walldorf | barbara.eyrich@googlemail.com Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden. Titelbildgestaltung: Claus-Gregor Pagel
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