Wartezeit am Sonntag Juli 2013

Ein wunderschöner Sonntag, Sonnenschein bereits am frühen Morgen um 7 Uhr. Ich räkelte mich noch ein wenig auf der Bettkante und freute mich, dass nichts wesentliches schmerzt. Meine Atmung ist normal und gut. Meine neue Lunge arbeitet so wunderbar, dass ich jeden Tag immer wieder neu dankbar und froh bin, dass mich der ewige Gott bis hierher geführt hat. Ich schwankte noch etwas unsicher ins Bad und bin in kurzer Zeit fertig geduscht und ausgehfein. Das hat vor der Tansplantation manchesmal eine Stunde gedauert. Kurz nach 8 Uhr bin ich mit dem Frühstück fertig. Frisch aufgebackenes Brötchen mit Erdnussbutter und Quittengelee. Dazu eine Tasse Kaffee und ein ziemlich hart gekochtes Ei.

Nun wartete ich auf meinen Abholer zum Gottesdienst nach Groß-Gerau. Ich stand vor der Haustür und betrachtete unseren Vorgarten. So als hätte ich das noch nie gemacht. Die kleine Tujapflanze ist ein großer Baum geworden. Einige Sträucher sind zweimal mannshoch gewachsen und könnten, genauso, wie die schönen rosafarbenen Rosensträucher, gekürzt werden. Da, endlich sehe ich den Wagen heranfahren und ich stieg freudig ein. Eine herzliche Begrüßung folgte. Wir unterhielten uns im Auto über die Wartezeit, die manche Eheleute so mitmachen müssen. Wenn die Ehefrau beispielsweise darauf wartet, dass ihr Mann endlich heimkommt, weil er nur am Wochenende von der Arbeit nach Hause kommen kann. Oder bei Frauen, die in der ganzen Woche  in einer anderen Stadt arbeiten müssen und der Mann ist vielleicht alleine oder eventuell mit  Kindern zu Hause und muss alles managen.

Der Gottesdienst in Groß-Gerau war überraschender Weise für mich wieder ein Festgottesdienst wie er im Buche steht. Wir waren viel zu früh, denn der Gottesdienst fing erst um 10 Uhr an, statt um 9:30 Uhr wie sonst. Ein Ehepaar aus der Gemeinde hat sein 25jähriges Ehejubiläum gefeiert und wollte nun zur Silbenen Hochzeit auch wieder den Segen Gottes erhalten.

Genau dieses Gespräch, dass wir im Auto kurz zuvor hatten, hörten wir dann in der Predigt und auch in der Ansprache bei dem Jubiläumspaar. Beide sind beruflich in der Woche über nicht beisammen gewesen und haben sich aber am Wochenende sehen können. Sie waren immer in der Erwartung, bald wieder zusammen sein zu können. Das Warten hatte sich bis heute für Beide gelohnt.

Das ganze Leben ist Warten. Es gibt nicht einen Moment, wo man nicht auf etwas wartet. Dabei gibt es soviele Unterschiede. So sagt vielleicht einer, na ja, ich warte mal ab was kommt. Lehnt sich zufrieden erst einmal zurück und wartet, geduldig ob etwas passiert oder nicht. Wundert sich dann aber, dass nichts passiert.  Ein Anderer meint aber, ich warte gezielt auf einen Anruf, eine Nachricht oder ein Ereignis und wird ganz hibbelig dabei, ist ständig in Bewegung und versucht mit allen Mitteln, dass seine Erwartung in Erfüllung geht und ein gutes Ende nimmt. Da kann dann, meiner Erfahrung nach, auch nichts schiefgehen. Manches Mal geht es aber nicht anders und es wird doch nichts. Da habe ich die Erfahrung gemacht, beten hilft und viel beten hilft noch viel mehr.

Als ich in meiner Wartezeit auf ein Spenderorgan im Krankenzimmer verbringen musste, habe ich oft am Fenster gestanden und die Tränen sind einfach so runtergelaufen. Da saß ich nun, konnte nicht weg und hoffte doch ganz stark, dass mich jemand besucht. Ich habe dann mit meinen himmlischen Vater gesprochen und gefragt, ob er mir ein paar Englein schicken kann. Das waren auch Erwartungen, die sich nicht immer erfüllt haben. Doch wenn ich gar nicht damit rechnete, nicht darauf wartete oder daran dachte, machte es PLING und mein Enkelchen kam mit einem kleinen Blumenstrauß in der Hand zu mir und sagte schüchtern: Da!  Oma Bärbel alles Gute! Hinter ihm standen die Schwiegereltern meiner Tochter und lachten fröhlich. Das waren dann Begebenheiten, die mir sehr geholfen haben, die lange Wartezeit zu überstehen.

An dem Tag, als mir die Nachricht überbracht wurde, dass ein Spenderorgan zur Verfügung steht, war es fast genau so. Ich betete am frühen Morgen fast unter Tränen zum lieben Gott und dann machte es PLING und die Ärztin stand an meinem Bett.

Wie es weitergeht, erzähle ich in meinem Buch WARTEZEIT – Mein Leben vor und nach der Transplantation. Es wird noch ein Weilchen dauern, bis es einigermaßen von Fehlern frei ist. Ich finde immer wieder etwas und darum verzögert sich die Veröffentlichung. Ansonsten ist es fertig.

So müssen wir alle noch ein wenig warten. Ich muss warten bis das Buch lektoriert ist und meine baldigen Leser auch. Deshalb bitte ich meine zukünftige Leserschaft um noch ein wenig Geduld. Es geht bald los. Versprochen!

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Über wartezeitblog

Barbara Eyrich wurde 1949 in Bremen geboren und lebt heute in Mörfelden-Walldorf, Nähe Flughafen Frankfurt/Main. Sie ist geschieden und hat eine Tochter, die mit Ehemann und Sohn in Rodgau lebt und seit 2010 schriftstellerisch tätig ist. Vor der Transplantation war Barbara Eyrich als Immobilienmaklerin selbständig in Frankfurter Büros, Mörfelden-Walldorf und als Inhaberin eines eigenen Büros in Dreieich-Sprendlingen tätig. Durch verschiedene Nebentätigkeiten konnte sie sich über „Wasser“ halten. Sie engagierte sich für die Selbsthilfe und leitete von 2005 - 2012 zwei Selbsthilfegruppen und gründete 2007 auch eine Lungensportgruppe im Bereich Lungenemphysem-COPD. Nach der Transplantation hat sie sich von diesen Aufgaben zurückgezogen um sich ganz auf die Rehabilitation zu konzentrieren. Die Website der Autorin: http://wartezeitbog.wordpress.com Die Autorin im Internet: https://www.facebook.com/barbara.eyrich *** Juni 2013 Copyright © der Originalausgabe Barbara Eyrich | Mörfelden-Walldorf | barbara.eyrich@googlemail.com Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung der Autorin wiedergegeben werden. Titelbildgestaltung: Claus-Gregor Pagel
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