Lungentransplantierte Patienten im Notfall in einem Städtischen Klinikum gut versorgt?

Erlebnisbericht von Barbara Eyrich über ein
unvorhergesehener Notfall am 4. Jan. 2016

 

Das Neue Jahr 2016 hatte begonnen. Die erste Dialyse im neuen Jahr wurde am Sonntagabend im Dialysezentrum in D. nachts ab 22:15 Uhr bis morgens um 5:30 Uhr nach fast 3 Dialysefreie Tage durchgeführt.
Wie immer packte ich nur meinen Schlafanzug ein, meine Haustürschlüssel und einen Mundschutz und der Taxifahrer brachte mich in das Dialyse Zentrum. Oh weh, viel zu viel Gewicht. Es musste eine Menge Wasser mit einigen Litern rausgezogen werden. Dabei hatte ich so aufgepasst beim Trinken. Beim Essen aber nicht. Ich hatte regelrechte Heißhungerattacken zu Hause.
Wie immer wurde ich ganz normal an die Dialysemaschine mit allen Schläuchen angeschlossen, schon sehr müde erzählte ich von meinen leckeren Essen über die Feiertage.
Ich schlief auch schnell ein, wurde aber bald wieder wach. Es juckte und juckte, am Fuß und an der Schulter. Irgendwann schlief ich aber wieder ein, wahrscheinlich vor lauter Erschöpfung.
Plötzlich bin ich wieder schlagartig wach, kalter Schweiß läuft über meine Augen, mir ist schlecht und etwas schwindelig und mein Kopf scheint kurz davor zu sein zu platzen. Ich klingele nach der Schwester, die mir sofort den Blutdruck misst. 230/195 oder noch höher. Sie misst noch einmal. Nee, das kann doch nicht sein! Die Schwester reagiert sofort und ruft die Notfallnummer an. Innerhalb von ein paar Minuten steht der RKW vor der Tür und die Notärztin wird in knappen Worten informiert:
„Patienten hat starke Kopfschmerzen, Schweißausbruch und Übelkeit. Blutdruck entgleist auf…., wir haben bereits ein Medikament unter die Zunge gegeben. Blutdruck steigt weiter. Was machen wir jetzt? Ach ja, das muss ich dazu sagen die Patienten ist Lungentransplantiert und im Notfall sollte der Notarzt die Notfallnummer vom Transplantationszentrum anrufen!“
Die Notärztin lässt sich die Nummer geben und geht aus dem Zimmer, etwas irritiert, wie ich sehen konnte. Kurz darauf kommt sie wieder herein. Sie habe telefoniert mit Prof. Mayer, er schlug vor, wenn keine Luftnot oder andere Lungenprobleme vorliegen, bitte sofort ins nächstgelegene Krankenhaus fahren und weiter berichten. Das wurde dann auch gemacht. Ich konnte grad noch nach einem Mundschutz fragen. Wieder irritierter Gesichtsausdruck. „Warum denn das Frau Eyrich?“ Ich werde noch aufgeregter und erkläre haarklein, warum ein Transplantierter Patient mit einer neuen Einzellunge sehr aufpassen muss vor gefährlichen Keimen, Bakterien und Pilzen. Die gibt es im Krankenwagen, Taxi, stationären und Notaufnahmebereich von Kliniken und Praxen zu Hauf. Daher meine Vorsichtsmaßnahme.
In der Notaufnahme werde ich sofort in einem Stroke Unit Raum gebracht. Ich werde umgebettet auf eine harte Liege, keine Zudecke. Ich bin ja noch im Schlafanzug und es wird mir langsam kalt. Ich bekomme eine Decke und weg ist die Schwester wieder. Ab und zu surrt das Blutdruckmessgerät und schlägt Alarm. Das kümmert niemanden so sehr. Doch. Zwei oder drei Mal kam ein Arzt und meinte ich soll doch mal ein Medikament unter die Zunge bekommen. Ansonsten liegt man dort alleine und guckt auf die große Uhr an der gegenüber liegenden Wand. Zwischendurch konnte ich ein paar Mal vermelden, dass ich um 9 Uhr meine Medikamente nehmen muss. Unter anderem Immunsupressiva. Sie mögen doch bitte den Medikamentenplan in der Uni Gießen anfordern. In der Innentasche meiner Winterjacke befand sich mein Ausweismäppchen mit Personalausweis, Führerschein, TX-Ausweis, Notfallnummer vom TX-Zentrum, Nummer von der Station Pneumologie in der Uniklinik Gießen. Es dauert mehrere Stunden bis ein Bett auf einer Station zur Verfügung stand. Es sind immer noch keine Medikamente in Sicht. Die Schwestern auf Station sind freundlich. Sie wollen sich darum kümmern. Es wird 10. Ich bin langsam in Panik. Blutdruck und Puls steigen in unermessliche Höhen. Ich muss mich ständig übergeben und ich habe mich im Leben noch nicht so schlecht gefühlt, wie in diesem Moment. Es geht weiter. Es wird 11, 12, 13 Uhr. Endlich kommt Visite. Ich bin nicht nur panisch, sondern auch ständig am Würgen und Erbrechen, kann kaum reden.
Wiederholt sage ich jetzt mit Nachdruck, dass meine Lunge in Gefahr ist und eine Abstoßung anfängt, wenn ich nicht jeden TAG pünktlich alle 12 Stunden meine Medikamente nehme. Der Arzt fragt mich erstaunt: „Welche Medikamente brauchen Sie denn dringend?“ Ich nenne ihm Advagraf 1 mg, 3x morgens, 1 Hartkapsel Cellcept 250 mg und 5 mg Decortin. Für den Rest kann ich ihnen alles auf einen Zettel schreiben. „Nein, wir fordern dann die Liste an.“
Um 14 Uhr brachte mir dann endlich die drei genannten Präparate und die Schwester sagt noch:
„ Frau Eyrich, sie sollen die Tabletten gleich nehmen, sagt der Doktor!“
Es folgten einige Untersuchungen wie Ultraschall vom Herz, Ultraschall vom Bauch, Röntgen in Seitenlage Lunge und Bauchraum, sowie jeden Tag Dialyse. Zwischendurch wird probiert eine Braunüle zu legen und die Ärztin sagt: „Sie haben aber auch kleine dünne Venen, wissen Sie das Frau Eyrich?“ Ich dachte bei mir: „NEIN!“ Sie probiere es vier Mal, bis sie die richtige Stelle am rechten Handgelenk fand und die Nadel legte.
Am Mittwoch, also drei Tage später, hatte es die Stationssekretärin endlich geschafft, über ihr Privathandy, bei Google meine Tochter herauszufinden. Weiß denn niemand, dass die Telecom auch eine telefonische Auskunft hat? Ich fasse das nicht. Mittags kommt die Sekretärin freudestrahlend zu mir und reicht mir das Telefon ins Bett, mit den Worten: „Machen Sie aber schnell, es ist das Stationstelefon!“
Meine Tochter fiel aus allen Wolken und war besorgt. Wir telefonieren ja nicht täglich, sehen uns aber im Facebook. Ich nannte ihr den Namen meiner Haushaltshilfe und sie rief dann später an und war völlig aus dem Häuschen. „Mensch Barbara. Wo bist du denn? Keiner hat eine Ahnung was mit dir ist. Ich hab gesehen, deine Medikamente für Montag lagen im Kästchen auf dem Tisch und heute immer noch. Dein Handy ist hier. Du ohne Handy. Was ist passiert. Was brauchst du denn, ich bring dir alles.“
„Medikamentenplan, Handy und Ladegerät und den kleinen Notfallkoffer. Ich weiß nicht ob ich alles komplettiert habe nach meinem letzten Aufenthalt in Gießen.“
Eigentlich sollte ich Donnerstag schon entlassen werden. Die Werte waren wieder im grünen Bereich. Mir ging es am Morgen noch etwas „kodderich“ wie die Norddeutschen sagen. Also wurde dann doch bis Freitag verlängert.
Doch die ganzen Abläufe auf dieser Station regten mich innerlich so furchtbar auf, dass ich doch schnellstens nach Hause wollte.
Es war Visite und 6 Personen beteiligt, davon 2 Ärzte. Dabei erwähnte ich, dass ich es gewohnt bin, dass an der Tür ein Plakat angebracht wird:

 Umkehr-ISO! Bitte Personal und Besucher bei Betreten dieses Zimmer Mundschutz und Hände desinfizieren!
Alle Anwesenden schauten mich sprachlos an, einige schauten sich an, andere starrten an die Decke oder zur Tür. Vielleicht schauten sie nach einem Weg schnell davon zu laufen?
Darf es vorkommen im Krankenhaus, dass ein Hochrisiko Patient nicht geschützt wird? Jeder kommt ins Zimmer hereingestürzt ohne Mundschutz. 3 Physiotherapeuten, 2 Schwestern waren manchmal zusammen im Zimmer bei der privatliegenden Mitpatienten im Nachbarbett. 80 cm Abstand. Kein Mundschutz, keine Händedesinfektion, ganz selten beim Rausgehen.
Putzleute genauso. Sie putzten mit dem Bodenmopp den Boden und gleich danach die Oberseite der Beleuchtungskörper über dem Bett der Patienten. Erst putzten sie im Bad Klo und dann Waschbecken und Boden und mit demselben Mopp im Zimmer.
Die Ärzte schwiegen und schauten mich nur an. Ich möchte eigentlich wissen, was sie dazu sagen. Aber sie schweigen einfach.
Eine Dame mit schwarzer Cargohose und hellblauem Hemd, sieht ein wenig aus wie eine Wärterin oder Straßenbahnschaffnerin, kam ins Zimmer gestapft. Die Fahrkarten Bitte. Sie käme aus der Küche und nähme die Bestellung zum Essen entgegen. Sie trampelte jeden Tag ans Bett und brüllte mit mir. „Was möchten Sie essen, Frau Eyrich. Es gibt…“ und sie zählte alles auf was ich als TX‘lerin oder ein Nierenpatienten nicht essen darf. Deshalb sagte ich schlicht „Keimarm und Dialysekost!“ Sie fing an mit einem langen Vortrag, dass dies nicht gehen könne. Das macht die Küche nicht. 2 Kostformen sind nicht möglich. Ich sagte ihr, die Küche solle einfach etwas bringen. Was ich nicht essen darf, esse ich dann eben nicht. Das akzeptierte sie nicht. Entweder das eine oder das andere, sie möchte eine Bestellung. Also bestellte ich Dialysekost, aber das Essen war nicht einmal das bestellte, dafür aber furchtbar versalzen und echt nicht genießbar. Somit hatte ich in 3 Tagen 4 Kilo abgenommen.
Als ich einmal zu einer Untersuchung gebracht wurde, schaute ich in die Patientenakte. Nirgends ein Vermerk oder Unterlagen von Gießen zu sehen. Sie hatten mir versichert, es läge ein ganzer Berg auf dem Schreibtisch.

Alle Unterlagen waren vom Dialyse Zentrum eingeheftet. Leider ein Medikamentenplan von Anno Tobak. Der Plan stimmte hinten und vorne nicht. Obwohl ich bei jeder Änderung einen schriftlichen Zettel mitbringe und um Abgleichung bitte! Warum hört da niemand drauf, was ich sage!
Ich weiß schon, dass ich auch kein Befehlsgeber bin. Aber ich darf doch wohl noch sagen was falsch läuft! Was meiner Gesundheit und meinem Leben, meiner neuen Lunge schaden könnte! Das darf man mir doch nicht sagen, ich wäre zu empfindlich oder ich übertreibe. Mein Leben hängt davon ab, da erwarte ich, dass unser Gesundheitssystem mit seinen Verantwortlichen auch so mit mir umgehen und mir Gehör schenken.
Es wird immer vom mündigen Patienten gesprochen. Von Arzt-Patienten-Verhältnis. Compliance. Patientenwohl. Der Patient soll sich als Partner des Arztes fühlen, soll Kooperation und Kompetent seine Erkrankung managen. Das soll alles der Patient leisten. Ich weiß, viele haben diese Fähigkeiten nicht. Sei es, dass es daran liegt, der Patient ist schon älter oder schlechter informiert. Wenn ich als Patient einem Arzt im Krankenhaus erklären muss, was Immunsuppression bedeutet, da hört der Spaß wirklich auf. Was macht ein Patient, der sich in solch einer Lage unfähig fühlt, etwas zu sagen? Er ist komplett ausgeliefert. Wen kümmert das?

FAZIT:
Ich nehme zur Dialyse mein Smartphone und Ladegerät mit, einen Umschlag mit Kopie vom Medi-Plan und alle zur Zeit gültigen Diagnosen, eine Liste mit allen wichtigen Telefonnummern, die im Notfall anzurufen und zu benachrichtigen sind. Und das Medi-Kästchen für den nächsten Tag, weil ich ja über Nacht in der Dialyse bin.
Einen Umschlag für meine Handtaschen, die ich gelegentlich mitnehme. Einen Zettel mit den Telefonnummern für die Jackentasche. Manchmal gehe ich auch nur mal Tanken und nehme nicht unbedingt das Krankenkassenkärtchen dafür mit. Obwohl, bisher war es immer im Geldbeutel. Bloß hatte ich noch nie über Nacht an der Dialyse Geld nötig.
Ich möchte, dass sich einiges Personal und Verantwortliche angesprochen fühlen und in Zukunft anders handeln. Vor dieser Veröffentlichung, habe ich viele Betroffene gefragt, was sie davon halten.
Einige Betroffene LTX‘ler fanden es gut, dass endlich mal einer was sagt. Andere waren gar nicht begeistert und meinten sogar, da kannst du dann im Notfall nie wieder hin oder das würde ich nicht machen. D U änderst doch sowieso nix damit. Reg dich nicht so auf.
Ich hoffe einfach, dass ich doch ein kleines bisschen was ändern kann. Das Verhalten von Pflegepersonal und Ärzten will ich nicht immer bemängeln. Sie machen ihren Job. Sonst aber auch nix. Der Patient steht mit seinen Sorgen und Ängsten alleine da. Wenn ich auch noch kämpfen muss, damit ich im Krankenhaus am Leben bleibe, kann das nicht vom Gesundheitswesen so gewollt sein. Vor allem die Aussagen, es muss gespart werden! Es fehlt an Gelden! Es fehlt am gut ausgebildeten Personal!
Richtig, und – es fehlt bei immer mehr Klinikleitungen an Organisation und Führung des Unternehmens! In unserem Gesundheitssystem wurde teilweise nicht ans Patientenwohl gedacht, obwohl das auf die Fahne geschrieben wird. Es wird mehr an das Wohl des Vermögens mancher Krankenkassen, Kliniken, Altenheimen und anderen gesundheitsbezogenen Einrichtungen gedacht. Der Beweis, lesen Sie einmal einen Jahresbericht dieser Institutionen. Da wird mit Vermögen geprotzt, Anlagen mit hohen Zinserträgen, große Immobilienwerte! Und am Patienten soll gespart werden?
Alles Liebe und Gute im Jahr 2016 für alle Schwachen, Kranken, Kinder, Greise, Behinderten und armen Menschen unseres Landes. Das meine ich einfach nur im Ernst, auch nicht sarkastisch, sondern von ganzem Herzen.

Hoffentlich gibt es einmal einen Ruck in unserer Gesellschaft.
Eure Barbara

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Augustschmerzen oder wie soll ich sagen?

Heute möchte ich Euch erzählen, wie so der Monat August 2015 verlaufen ist.

Der August fing schon mal gut an, denn da hat mein kleiner Enkel Mika Geburtstag. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich seinen 8. Geburtstag erleben durfte und dabei war. Alle seine Kumpels aus der Schule und Nachbarschaft waren gekommen und wir haben im Garten gefeiert. Es war ziemlich heiß und die Kinder vergnügten sich im Pool. Vorher sind sie auf Schatzsuche gegangen. Das war ein ziemlich aufregender Tag für die Kinder, hatte ich jedenfalls den Eindruck.

Die erste Woche verlief relativ normal mit Atemtherapie, Training und Manuelle Therapie für meinen Rücken , jedoch mit der Einschränkung, dass ich mit der Lendenwirbelsäule riesige Probleme hatte. Schmerztabletten halfen nur stundenweise.

In der zweiten Woche beschäftigte ich mich mit meiner Aufgabe RG-Leitung Rhein-Main und rief einige Mitglieder an um e-mail Adressen abzugleichen oder zu erfragen. Viele waren wohl im Urlaub oder gerade dabei die Koffer zu packen. Also schrieb ich Pressemitteilungen an verschiedene Selbsthilfekontaktstellen in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach.

Dann machte ich mich auf die Suche nach  örtlichen oder überregionalen Podologen-Praxen. Dazu recherchierte ich im Internet und fand auch einige Adressen. Und zwar unter dem Oberbegriff Podolgen fand ich diesen Link, der doch sehr hilfreich war:

http://www.podologenliste.de

Ich erstellte eine Exceltabelle und rief nacheinander alle Praxen an. Manche waren sehr freundlich, aber überwiegend hatte ich den Eindruck, dass ich mit meinem Anruf gerade fürchterlich stören würde. Richtig genervt und scheinbar überfordert, sagten die meisten, dass sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen würden.  Bei vielen Praxen schaltete sich auch sofort der Anrufbeantworter  an und tat kund, dass wohl gerade eine Behandlung stattfindet und man nicht ans Telefon gehen könnte.

Ich versendete noch einige emails, soweit vorhanden. Da hatte ich mehr Glück. Rückmeldung mit kompletter Adresse, Erreichbarkeit usw. hatte ich nun schriftlich um sofort Kontakt aufzunehmen. Einen Termin bekam ich sofort für den darauffolgenden Samstagvormittag. Die anderen erst in 3-5 Wochen. Dieser Termin fand in Frankfurt statt, bei der neu gegründeten Podologieschule. http://www.podologieschule-frankfurt.de.

Das ist eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für Podologie in der Gutleutstr, 163-167 in 60327 Frankfurt am Main. Hier kann man nochmal die Praxis genauer ansehen: http://www.maxQ@.net

Dort ist man ein Probant und wird von angehenden Podologen und einer ausgebildeten Fachkraft betreut. Das fand ich Klasse. Die Praxis ist nagelneu eingerichtet und kam mir regelrecht steril vor. Genau wie ich es eigentlich brauche als transplantierte Patientin. Man hat sich ca. 1 Stunde Zeit genommen, meine Vorgeschichte mit allen Diagnosen und Medikamenten notiert und war doch sehr bemüht und umsorgte mich perfekt. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und hinterher seidenweiche Füße und perfekt geschnittene Nägel. Nichts hat mehr gedrückt oder wehgetan beim Laufen. So soll es doch sein.

Für September trug ich einige Termine für Veranstaltungen mit dem Bundesverband der Organtransplantierten für fast jedes Wochenende ein und hoffte inständig, dass nix dazwischen kommen würde. Leider kam es dann anders. Mit meinen Nachbar“eltern“ war ich mal wieder essen. Leider hatte das Lokal keinen guten Tag. Es gab eine minimierte Speisekarte mit Schnitzel oder Rumpsteaks. Das fand ich alles viel zu mächtig und ich fragte nach einer kleinen Portion „Grillteller“ mit etwas Reis. Was dann kam, verschlug mir die Sprache. Ein Teller so groß wie ein Wagenrad, dazu ein Riesenfleischspieß, ein Mordsgroßer Fleischklops und 5 kleine Hackfleischröllchen, dazu noch zwei Bälle Tomatenreis, also eine ganz normale Portion. Bereits beim ersten Bissen hatte ich ein ungutes Gefühl und ich habe nicht weiteressen können. Es roch komisch, das Fleisch ließ sich vom Spieß nicht lösen und die Röllchen waren steinhart. Der Reis war  wohl in Tomatenbrühe gelegt worden, er zerfloss auf dem Teller. Den ganzen Sonntag ging es mir schlecht und ich sagte am Montag alle Termine ab. Der Magen schmerzte  und ständig war mir übel.

Am Dienstag würgte ich abwechselnd mit Toilettengang. Ich telefonierte mit meiner Lungen-TX-Ambulanz in Gießen und es hieß, ich solle vorbeikommen und mich in der ZNA vorstellen. Das ist die Zentrale Not Aufnahme. Irgendwie hab ich noch organisieren können, dass ich mit dem Taxi hinfahren konnte. Ich selbst wäre nicht im Stande gewesen, selbst zu fahren. Ich lag einige Stunden in der ZNA, bekam zwischendurch 38,5 Fieber und damit war der Zugang für die Station 2.1 gesichert. Und ich hatte nix dabei, weil ich fester Überzeugung war, wieder nach Hause zu können.

Nun ging die Maschinerie los. Röntgen Lunge, Blutabnahmen ohne Ende, viel  Übergeben und Toilettengang, Antibiose über i.V. und Magenspiegelung. Nach 8 Tagen konnte ich wieder nach Hause. Frühmorgens beim Brötchenessen brach noch ein Stückchen Backenzahn ab.  Im erbärmlichen Zustand, aber immerhin. Ich war zuhause, wo es doch um einiges ruhiger ist und ich mich erst mal wieder erholen konnte.

Viele Zahnärzte hatten Urlaub und waren nicht besetzt. Auf Empfehlung rief ich eine Praxis in Walldorf an. Dort sagte die Sprechstundenhilfeschülerin, es habe jemand abgesagt und ich könne gleich 5 Tage später am Dienstag kommen. Wie immer war ich einiges zu früh. Das war auch gut so, denn ich sollte zwei Seiten Anamnese-Fragenbogen ausfüllen. Sowas, ob ich schwanger wäre, war auch dabei. Beim Zahnarzt. Ich seufzte und füllte alles aus. Siehe Diagnoseliste. Siehe Medikamentenliste. Das hatte ich vorher alles vorbereitet und aus ausgedruckt und dem Fragebogen beigefügt. Ausserdem saß ich dort mit Mundschutz, was für alle sehr befremdlich war. Es fragte aber keiner, somit sagte ich auch nichts. Die Ärztin schaute dann in meinen Mund, sah die Bescherung und sagte, dass sie vorschlagen würde eine bessere Keramikfüllung zu machen. Das kostet dann 85 Euro, die zahlt aber die Kasse nicht. Ich auch nicht, erklärte ich kurz und bündig. Es war eine Füllung drin – von der Kasse bezahlt, und die hat 30 Jahre gehalten. Also war die nicht so schlecht, wie man das heute hinstellen will. Was die Kasse nicht zahlt, ist für mich dann auch nicht effektiv und relevant mein Krankheitsbild zu verbessern.

Danach war alles anders. Dann müsse man einen neuen Termin machen, weil sie alles vorbereiten müsse. Das nähme sehr viel Zeit in Anspruch. Ich bekam einen Termin für 8 Tage später. Als ich schon gehen wollte, fiel mir ein, dass dieses Loch ja offen ist. Können sich da nun Keime einschleichen? Ins Blut übergehen und vielleicht Entzündungen machen? Ich drehte wieder um und bat, noch einmal kurz mit der Ärztin zu sprechen. Die Helferin sagte:“Nein! Das geht jetzt nicht! Die Ärztin ist in einer Behandlung, es ist schon der nächste Patient bei ihr. Um was geht es denn?“ Ich sage ihr was ich wissen will, ob evtl. Keime eindringen können und ich eine Infektion bekommen kann. Sie geht langsam zur Tür und klopft zaghaft an. Nach 20 Sek. kommt sie zurück und sagt: „Also, Sie haben doch in 8 Tagen Termin, das geht schon in Ordnung!“ Mir bleibt für einen Moment die Luft weg und es verschlägt mir die Sprache.

Am nächsten Morgen rief die Praxismitarbeiterin an und berichtete mir, dass die Ärzte sich besprochen haben über meinen „Fall“ und beschlossen haben, nach Sachlage einer Risikopatienten, die Behandlung nicht fortzuführen und der Termin damit abgesagt werden muss. Ich solle doch ins Karolinum nach Frankfurt gehen. Wobei sie aber erst die Nummer lange und umständlich suchen musste. Pft! Ich zeigte am Telefon den Stinkefinger, bedankte mich für die Offenheit und legte auf. Bow, das hat mich echt geschockt. Nur weil ich die 85,00 Euro nicht zahlen wollte?

Zuhause angekommen, rief ich die Lungenambulanz an. Was soll ich machen, mein Zahnarzt ist noch im Urlaub. Eigentlich kennt er mich nicht mehr. Aber die Zahnklinik der Uni Gießen könne mir doch evtl. helfen. Genau, so machen wir es, riet mir Schwester B. Ich rufe in der Zahnklinik/ Poliklinik-Ambulanz  an und bekomme für ein paar Tage später den Termin. Doch… auch hier gibt es Terminschwierigkeiten. Nach Sichtung in der Poliklinik werde ich nach „oben“ geschickt in die Füllungsabteilung. Dort sagt die Sekretärin, dass es heute nicht mehr geht. Nachdem ich ihr geschildert hatte, dass ich transplantiert wurde und bei den Ärzten da draußen als Hochrisikopatientin gelte, ich auch nicht grad mal um die Ecke wohne und Nachts in die Dialyse muss, von wo ich an dem Tag auch gerade herauskam, hatte sie plötzlich eine Idee und stellte mich beim Arzt vor. Man könne doch wenigstens das Loch provisorisch zu machen. Der junge Arzt schaute sich das an und schüttelte den Kopf. „Wie bitte? Son Quatsch! Das mache ich gleich richtig zu!“ Zack…sprach und fing sofort mit der Behandlung an und in 20 Minuten waren wir fertig. Manchmal geht es, aber manchmal…..

Wie es im September weitergeht, schreibe ich in den nächsten Tagen. Mein Rücken meldet sich schon wieder. Scheinbar habe ich zu lange am PC gesessen.

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Bekanntmachung!

Es gibt wieder einige Neuigkeiten zu berichten. Bei manchen Ereignissen dachte ich, so… darüber schreibe ich jetzt auch noch ein Buch. Ja! Ist doch wahr. Du hast täglich deinen Kampf zu kämpfen und wenn dann keiner da ist, mit dem man sich austauschen kann, wird es umso schwerer. Aber gut, irgendwie bekomme ich es immer wieder hin.

Das erste Beispiel ist der Antrag für die Reha. Den alleine ausfüllen ist schon ein Kunstwerk für sich, weil davon hängt es ab, ob dem Antrag stattgegeben wird  oder nicht. Da fehlt nur ein Befund oder eine Diagnose und schon heißt es von der Krankenkassenseite her:“Abgelehnt. Man sieht keinen Handlungsbedarf!“ Punkt- aus. Ja, und jetzt?

Zurück zum Antragsausfüller, der gar nichts versteht und auch noch murmelt, da hätte er doch nichts mit zu schaffen und wäre gar nicht seine Aufgabe. Es geht um die zweite Diagnose, die aber Schwerpunkt der Behandlung in der Reha sein soll, nämlich um die Orthopädie. Also, es braucht eigentlich nur eine kurze Korrektur erfolgen und ein Bericht vom Orthopäden beigefügt werden. ( In jedem Antrag steht, dass dem Antrag auch Berichte, CT; MRT und dergleichen beigefügt werden sollen.) Das wurde aber versäumt.

Dies wurde nun von mir nachträglich angefordert. Dreimal musste ich anrufen, hatte jedes Mal einen anderen Arztkollegen am Telefon und jeder versprach mir, sofort zu handeln und alles in die Wege zu leiten. Nach drei Wochen war immer noch nichts passiert. Der Antrag war inzwischen von April bis Juli immer noch liegen geblieben. Erst nachdem ich zigmal hin und her telefoniert habe und mich fusselig reden musste, hat es letztendlich in 10 Minuten geklappt.

Die Reha-Klinik kam auch noch ins Spiel. Da ich nun mal eine Lungentransplantierte Hochrisikopatientin bin, müsste man den doppelten Pflegesatz berechnen, da ich in der Station für Transplantierte untergebracht werden muss, dort das separate keimarme Essen bekomme, ein spezielles Speisezimmer für die TX’ler eingerichtet ist und, das ist das allerwichtigste…das Transplant immer ein Risiko bedeutet, dass eine Komplikation auftreten könnte. Da muss dann die Klinik sofort handeln können. Der Behandlungsschwerpunkt für die Lendenwirbelsäule und Bandscheibenvorfall ist also ein weiterer Pflegesatz, der eben zusätzlich abgerechnet werden muss.

Die Klinik meint: Ach Frau Eyrich, wir kennen Sie schon so lange und wissen, was Sie brauchen und was wir mit Ihnen anstellen müssen. Sind sie doch so lieb und reden mit ihrer Sachbearbeiterin bei der Krankenkasse. Das kriegen sie doch hin.

Die Krankenkasse meint: Ach Frau Eyrich, wir kennen sie nun schon lange ihr Problem mit der Atmung und Transplantation. Da ist doch zur Zeit kein Bedarf. Wieso sollen wir da einen doppelten Pflegesatz bezahlen. Sprechen Sie doch noch mal mit der Klinik.

Hurra, das hab ich auch gemacht. Aber mit den letzten Nerven, die mir übrig blieben. Am Ende kam heraus, die Giessener sollen doch endlich mal die Korrektur vom Antrag schreiben und die Notwendigkeit begründen, warum ich als Lungentransplantierte in der Spezialklinik untergebracht werden muss. Hinzukommt ja auch noch die Dialysebehandlung während der 21 Tage Reha, da gehen von diesen Tagen 9 Tage für die Dialyse ab. Immerhin, am Stück gesehen, sind noch ein paar Tage für ein zielgerichtetes Training ausserhalb der häuslichen Versorgung übrig.

Dies habe ich dann bei einem persönlichen Gespräch vor Ort geklärt. Unser neuer Ambulanzarzt hat eine email geschickt an die Krankenkasse und zehn Minuten später erhielt ich den Anruf von der Mitarbeiterin der Krankenkasse, die mir dann die Genehmigung des Antrags kundtat. 3 Tage später hatte ich meinen Wunschtermin, den 30.09., schriftlich von der Reha- Klinik im Briefkasten.

Beispiel zwei: Nebenbei erhielt ich auch endlich eine email, dass der Vorstand vom Bundesverband der Organtransplantierten bei der letzten Vorstandssitzung beschlossen haben, dass ich und Herr Dietmar Behrend zu den neuen Gruppenleitern der Regionalgruppe Rhein-Main berufen worden sind. Endlich! Hab ich mich gefreut! Und nun geht auch die Arbeit richtig los. Dietmar und ich haben uns ja schon kennengelernt bei der Veranstaltung in Frankfurt: Markt der Selbsthilfegruppen im Römer. Also trafen wir uns eine Woche später und haben einen Schlachtplan entworfen, wie wir in der nächsten Zeit vorgehen werden. Aufgaben verteilt und Termine für Veranstaltungen abgeklärt. Dietmar kümmert sich um die örtlichen Medien und Leute, die er so kennt. Er entwarf auch schon einen Flyer und Visitenkarten für uns beide und richtete eine bdo-Emailadresse ein.

Ich setzte mich mal abends oder vormittags hin und fing an zu telefonieren. Irgendwie haben wir wohl eine Mitgliederliste von vor 10 Jahren erhalten. Es fehlten überwiegend die Emailadressen und teilweise waren Telefonnummer nicht bekannt. Auch in „Das Örtliche“ oder so habe ich viele Mitglieder nicht finden können. Das wird eine feine Aufgabe, denn nun müssen wir Geld ausgeben und Briefpost raus senden. Rechtzeitig auch mit unserem jetzigen Veranstaltungskalender.

Auf der Seite: http://bdo-ev.de/regionalgruppen/rheinmain/

findet man unsere Kontaktdaten, wer wir beide sind und auf welchen Veranstaltungen wir in der nächsten Zeit anzutreffen sind. Vielleicht hat ja der eine odere andere der Rhein-Main-Mitglieder Lust uns mal am Stand abzulösen für 1 Stunde?

Urlaub ist erst einmal für mich nicht drin. Ich schaue jedem rollenden Kofferträger, der ins Taxi steigt oder in Richtung Bahnhof läuft, sehnsüchtig hinterher. Wenn ich bei meinem Freund in Mörfelden auf dem Balkon sitze und alle 30 Sekunden ein Flieger startet in alle Richtungen, möchte ich am liebsten sofort die Koffer packen und ab ans Meer. Egal wo! Aber… und da isses wieder, dieses verrückte aber! Ich darf mit meinem Katheder nicht ins Schwimmbad oder in einen Badesee. Selbst wenn ich das abkleben würde mit durchsichtigen Klebeband und Gefrierbeuteln. Irgendwo ist doch immer noch eine undichte Stelle und es könnten sich Keime am Ausgang vom Katheder ansiedeln und weiterwandern, bis ins Herz, wo der Katheder am Ende liegt. Dann aber…gute Nacht. Die Entzündung könnte dann meine letzte sein. Also bei dem Wetter bleibe ich zuhause und rühre mich nicht von der Stelle.

In der Physiotherapie gibt es ja auch nicht einfach mal so Termine nach meinem Bedarf. Und alle die bisschen gesünder sind und noch arbeiten gehen, sind vor mir dran. Nämlich frühmorgens, in der Zeit wo es noch einigermaßen kühl ist. Also bekomme ich Termin reingebrummt, die zwischen 13 und 16 Uhr liegen. Weil da sonst keiner kommen würde. Aber die Eyrich, dere kann mans ja zumuten. (Sarkasmus lässt grüßen). Nee, ich will mich nicht beschweren, sondern bin sogar froh, dass ich eine Praxis gefunden habe, die sich mit Transplantieten auskennt und die mir bis heute eine großartige Unterstützung waren. Nur manchmal, ganz selten, da kommen so Minuten, da könnste echt alles hinschmeissen und sagen:“ Nee, heute nicht mehr. Ich bin auch nur ein Mensch!“

Wenigstens habe ich keine Termine im August in der Uni Gießen. Es geht erst wieder im September los. Noch zwei wichtige Untersuchungen wegen der Listung für eine Niere. Das heißt, es ist nicht die normal übliche Warteliste sondern die Listung für die Hoch-Dringlichkeit. Da kommen verschiedene Gründe und Faktoren zusammen, die das notwendig machen. Da es keine andere Behandlungsmöglichkeit gibt mit einer anderen Methode, als mit dem Katheder, die Dialyse zu machen, besteht derzeit das Risiko der Infektionsgefahr vom Katheder herrührend. Entfernen geht deshalb nicht. Die Bauchdeckendialyse würde auch nicht klappen, wegen des Lungentransplantes. Ein Shunt kann nicht gesetzt werden, weil der Aufwand und die Kosten viel zu hoch sind und das Risiko, dass dieser Shunt dann trotzdem nicht läuft, will man auch nicht eingehen. Gut, es gibt Nierenterkrankte, die 10 Jahre schaffen mit einem Katheder zur Dialyse zu gehen. Die sind aber nicht so Immungeschwächt wie ich oder sagen wir mal, der Immunsupprimierung ausgesetzt. Dieses hat viel damit zu tun, dass eine Behandlung mit einem Katheder nicht unbedingt zufriedenstellende Ergebnisse erzielt. Daher mache ich auch die Nachtdialyse über jeweils 7 Stunden an 3 Nächten in der Woche. Das ist schonender für den Körper und auch effektiver. Trotzdem…am anderen Morgen komme ich mir vor, als wäre die ganze Nacht ein Bulldozer permanent über mich gerollt. Vor und zurück.

Jetzt ist nun mal in Deutschland so ein Traumwetter, und schon…wie alle Träume… jetzt ist es wieder „zu heiß“ und kaum auszuhalten. Ozon zuviel, Luftdruck zu hoch, zu tief und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Wir freuen uns alle auf etwas Abkühlung durch ein Gewitter und ordentlichen Landregen. Aber nichts dergleichen passiert. Jedenfalls nicht hier im Rhein-Main-Gebiet. Und wo es doch runterkommt, himmlerherrgottnochmal…da ist sofort alles überschwemmt, verschlammt, Keller laufen voll und das Rindvieh ersäuft. Es läuft eben nix mehr normal.

Klimawandel und Erwärmung sollen dazu führen, dass in 100 Jahren ganz Europa  zur Wüste geworden ist oder werden wird oder wie man das sagen will. Es wächst ja heute schon nichts mehr „normal“. Das Korn und der Mais vertrocknet, Kartoffeln verkümmern, Erdbeeren und Spargel wachsen viel zu früh und müssen bewässert werden. Versuche auf dem Dach von Hochhäusern  Gewächshäuser zu bauen, sind bereits in Berlin am Laufen und scheinen wohl zukunfstweisend zu sein. Unsere Landwirtschaft wird es bald nicht mehr geben, weil die Äcker ausgelaugt sind und vertrocknen. Die Tiere und vor allem unsere Bienen werden nicht mehr sein. Wo kommt dann unser Essen her? Alles Horrorszenarien? Nee! Das ist der Beginn unserer Zukunft von morgen und übermorgen. Warum? Weil sich kaum jemand damit beschäftigen will und denkt, okay in 100 Jahren ist mir das wurscht, weil ich dann nicht mehr lebe. Klar – nur was sagen dann unsere Kinder und deren Kinder dazu? Werden die sich kümmern? Wieso denn? Papa und Mama kümmert das doch auch nicht. Von wem sollen sie das lernen? Schule, Studium?

Na denn…schaun wir mal.

Passt auf Euch auf.

Eure Barbara

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Das zweite Halbjahr 2015 hat begonnen!

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Ihr Lieben,

das erste Halbjahr ist an mir vorbeigeflogen. Nicht alles, was ich mir vorgenommen hatte, konnte ich erledigen. Ein kleines Beispiel ist mein neues Buch, dass man als Nachfolge von WARTEZEIT ansehen kann. Es greift ein wenig mein Leben nach der Transplantation auf, wird aber aus Sichtweise eines anderen Mädchens erzählt. Dabei wird aber auch viel meine Fantasie ins Spiel kommen. Das Mädchen und ihr Freund erzählen sich gegenseitig ihre Geschichte. Dabei kommen Storys zutage, die nicht immer so ganz wahr sind. Auf jeden Fall wird es spannend mit den Beiden. Der Titel? Ich weiß nicht, ob ich euch noch ein wenig zappeln lassen kann und euch neugierig machen soll. Deshalb verrate ich den Titel erst, wenn die ersten 100 Seiten fertig sind. Ich bin erst bei Seite 20.

Die Wartezeit ist tatsächlich noch nicht zuende. Es geht weiter und weiter, nämlich in der Form, dass jeden Monat wieder andere Voruntersuchungen fällig sind. Die Ärzte der Uni Gießen sind ja der Meinung, dass wohl eine Nierentransplantation nötig ist. Es gibt nämlich keine Möglichkeit, den Katheder für den Dialyseanschluß für immer und ewig zu benutzen. Die Infektionsgefahr ist viel zu groß. Der Katheder ist direkt bis zum Vorhof des Herzens gelegt. Wenn beim Anschluß an die Blutwäsche schlampig oder unsauber gearbeitet wird, können sehr schnell Keime oder Bakterien durch den Katheder ins Blut gelangen. Eine dabei ausgelöste Entzündung im Herzen ist saugefährlich. Ein Shunt zu legen ist nicht möglich, dazu sind meine Gefäße in den Armen nicht geeignet. Sie sind s

Alles nicht so einfach. Im September sind die nächsten zwei Termine angesagt.

Nebenbei geht es weiter mit Training, Atemtherapie und KG für meine geschundene Lendenwirbelsäule. Das wird auch nicht besser, hält mich aber noch auf den Beinen und stabil, oder nee: mobil muss ich sagen. Zwar mit Einschränkungen, aber ich tue was. Dazwischen dann die Nachtdialyse drei Mal pro Woche bis morgens 5:30 Uhr. Danach werde ich abgeschlossen von der Maschine, werde abgeholt und nach Hause gebracht. Um 6 Uhr geh ich dann nochmals ins Bett und schlafe zwei bis 5 Stunden. Je nachdem. Aber der Tag ist für mich und es gibt mehr Möglichkeiten Erledigungen, Telefonate, Arzt- und Kontrollbesuche wahrzunehmen.

Das Wochenende ist ab Freitag bis Sonntag abend für mich frei! Toll, einmal hatte ich meinen Enkel zu Besuch. Das erste Mal. Er wird im August acht Jahre alt und wußte Zeit seines Lebens, dass seine zweite Oma Bärbel „immer“ im Krankenhaus ist.  Es war toll mit ihm, so ganz alleine ohne Eltern, hat er eine Probenacht bei mir erlebt. Wir haben uns sehr amüsiert. Ausserdem war er sehr, sehr lieb.

Um die Vermarktung meines Buches muss ich mich alleine kümmern. Das ist auch nicht so einfach. Es gibt ja keinen Verlag in dem Sinne, der das alles macht. Wenn keiner was davon weiß, dass ich ein Buch geschrieben habe, wie soll er denn da aufmerksam werden. Es gibt zwar viele Verbindungen aus „alte“ Zeiten. Aber da muss ich überall persönlich einmal auftauchen. Mails verschicken oder auf ­FB, Twitter, Xing, ­Wordpress, Google+ und weiß noch alles, bringt nur bedingt etwas. Also muss ich mehr präsent sein, eigentlich jeden Tag ein paar Stunden. Auch das geht nicht. Besser laufen und liegen, als sitzen und stehen! Sagt der Orthopäde. Beim Laufen kann ich echt nicht gut schreiben und im Liegen auch nicht. Also wurschtel ich mich durch.

Ich habe wieder eine sehr liebe und mich mich passende Hilfe im Haushalt gefunden. Vom Alter her könnte sie meine Tochter sein. Ich habe mich vom ersten Augenblick gut mit ihr verstanden. Es macht wirklich Spaß und sie hat sich total gut auf mich und meinen kleinen, aber doch sehr komplexen Haushalt eingestellt. Das ist eine große Hilfe und ich freue mich sehr, wenn sie zwei Tage in der Woche alles auf Hochglanz bringt.

Nun warte ich noch auf eine Bestätigung, dass ich die Gruppenleitung für das Rhein-Main-Gebiet übernehmen kann. Ein Anfang wurde bereits gemacht und zusammen mit einem weiteren Nierentransplantiertem Mitstreiter haben wir den Verein vertreten auf dem Markt der Selbsthilfegruppen in Frankfurt am Römer. Das fand ich schon sehr schön, so einen Tag nach dem Besuch der englischen Königin quasi auf ihrem Weg zu laufen. Am liebsten wäre ich auf den Balkon und hätte auch mal gewunken. Die Veranstaltung war gut besucht und wir konnten einige Kontakte knüpfen in Sachen  Organspende und Transplantation haben wir die ersten Veranstaltungen gebucht und weitere wurden vorgemerkt. Im September werden auf jedenfall in Rüsselsheim und Offenbach die ersten Veranstaltungen sein.

Ich wünsche mir sehr, dass auch kurzfristig meine REHA für Schönau genehmigt wird. Es fehlt noch ein Befund vom Orthopäden, dann könnte es losgehen. Also bis 14.9.15 muss ich wieder in Gießen sein, weil da noch einige Voruntersuchungen vorgenommen werden sollen. Drückt doch mal alle die Daumen.

Ob ich die 800 Worte noch schaffe? Ja! Jetzt gleich. Also alles Liebe und Gute.

Eure Barbara Eyrich (803)

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Entscheidend ist die Entscheidung

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Mein erstes Video – ein Test

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Man muss daran glauben, dass Glück möglich ist

Das Jahr 2015 hat ja gut angefangen.  Wo sind die Monate geblieben von Januar bis Mai? Ich kann es kaum glauben, so sehr bin ich beschäftigt.

Im Januar muss die Weihnachtsdeko wieder in den Keller und man überlegt, ob man nun für die Weihnachtsscheinchen Klamotten kauft oder doch lieber ein neues Möbelstück. Ich habe neuerdings Entscheidungsschwierigkeiten. Soll ich jetzt dies machen oder das? Manchmal mache ich dann einfach beides nacheinander. Das funktioniert auch.

Es geht wieder alles sehr gut, z.B. Autofahren, Einkaufen, Besorgungen machen. Und da fällt mir jeden Tag neu auf, wie glücklich und froh ich dabei bin. Wunderschön, wenn morgens die Sonne scheint und der blitzeblaue Himmel nur kleine weiße Wölken zeigt. Die Vöglein rufen morgens und wecken mit ihrem fröhlichen Gezwischere die ganze Nachbarschaft. Ohne Atemnot aufstehen, ins Bad und Duschen, Zähne putzen, anziehen – alles geht wieder total automatisch. Beinahe wie früher.

Die Dialyse wurde  letztes Jahr umgestellt auf die Nachtstunden. Zum einen sind sieben Stunden an der (Wasch)Maschine hängen viel effektiver und zum anderen, liege ich Nachts im Bett und kann meistens auch schlafen. Somit ist am anderen Tag doch mehr Zeit übrig, um etwas zu unternehmen. Um sechs Uhr bin ich dann meistens wieder zuhause und kann nochmal ein oder zwei Stunden schlafen.

Manchmal habe an so einem Morgen Kontrolltermin in der Uni Gießen. Ich werde dann um 7 Uhr abgeholt, dass ich um 8 Uhr dort bin für die Anmeldung. Das dauert immer, je später man kommt warten noch 36 andere Patienten vor mir.

Ich war zweimal in diesem Jahr im Lungensport, weil meine Termine in der Praxis für Physiotherapie Lehneis in Oberroden dreimal in der Woche sind. Da fahre ich auch selbst hin. Montags RAT = Reflektorische Atemtherapie, Mittwochs Manuelle Therapie für meine Lendenwirbel und danach Training im ersten Stock an 5-6 Geräten und dem Ergometer. Auch hier konnte ich schon tolle Ergebnisse erzielen. Dabei stachele ich mich immer selbst an und überfordere mich auch manchmal.

Freunde oder Bekannte hatten Geburtstag und ich war dabei. Leider ist das nicht immer so, dass Verständnis für mein Einschränkungen beim Essen aufgebracht wird. Meistens steht ein herrliches Buffet aufgebaut mit Lachsschnittchen, rohem Schinken und jede Menge Deko. Salatblatt, Petersilie, ungeschälte Tomaten und Gurken. Nudel- und Kartoffelsalate mit Mayonaise und wenn die nicht, dann eben andere Salate die gut durchgezogen sind über Nacht. Es mag ja sein, dass alles ganz lecker schmeckt. Aber… es ist wirklich niemandem bewußt, welche Keime und Bakterien sich in Salaten und Rohkost befinden und unter klimatischen Bedingungen in Windeseile vermehren können. Ein son blöder Keim oder Bakterium kann mich ins Krankenhaus bringen. Im schlimmsten Fall kann ich mich nie wieder erholen oder wache nie mehr auf. So schön diese Buffets anzuschauen sind, für mich ist es purer Horror.

Ebenso bei Grillparties. Damit es schnell geht, wird bereits fertig abgepacktes und eingelegtes Grillfleisch gekauft. Aus der Folie heraus wird es manchmal auch nicht gleich verarbeitet und steht auf einem Teller, der nicht abgedeckt ist, in der Sonne. Auf dem Grill wird das Fleisch bestimmt auch nicht 10 Minuten gelassen und manche gießen dann noch ordentlich Bier drauf und lassen alles noch verbrennen. Das ist doch lecker!

Ende Januar hatte ich noch eine Kathederuntersuchung an meinem Herzen. Das ist noch eine der Untersuchungen die für die Listung einer Spenderniere notwendig sind. Ich war drei Tage dort und wollte auch eigentlich schon nach Hause. Ich hustete aber plötzlich die Seele raus und bekam hohes Fieber. Sofort wurde festgestellt – Influenza A. Mist! Isolation in ein Einzelzimmer das ich nicht verlassen durfte. Nach acht Tagen durfte ich wieder nach Hause. Nun dachte ich so bei mir, dass ich mit allem wieder von vorne anfangen müsste. Der Husten wurde nicht besser und die Lunge hat leider auch gelitten. Meine Werte haben sich verschlechtert. Mit zusammengebissenen Zähnen, so wie ich das immer mache, habe ich alles meine Termine absolviert. Danach meistens gleich wieder ins Bett.

Im Februar parke ich mein Auto vor der Drogerie. Im Halteverbot. Alle Plätze drum herum waren belegt. Als ich auf die Eingangstür zuging, gab es hinter mir einen Knall. Erschrocken drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ein anderes Fahrzeug hing am hinteren Kotflügel. Die Fahrerin stieg aus und besah sich den Schaden. Ich lief auf sie zu, ganz langsam:

„Na, da haben Sie wohl nicht geguckt, was hinter Ihnen ist?“ Sie war genauso erschrocken wie ich. Eine ganz schöne Beule in meinem Auto. Ein fleissiger „Zeuge“ lief sofort um beide Autos herum und machte Fotos. „Sie stehen ja im Halteverbot!“  Ich ganz cool: „Na dann fotografieren Sie bitte auch den Rollstuhlausweis.“ Hat er auch gemacht.

Tja, da geht es auch wieder los und ich musst mich um die Reparatur und melden bei der Versicherung kümmern. Hier ein Antrag, da ein Vertrag. Echt, das finde ich so überflüssig. Gutachter kam gleich am anderen Morgen um 9 Uhr. „Schildern Sie mir bitte was passiert ist!“ sagte er. Naja, die Dame hat auf jeden Fall schuld, rückwärts fahren und ein parkendes Auto anfahren. Man stelle sich vor, da hätte ein Kind gestanden!

Jetzt kommt dann noch der Clou. Ich bekam einen Werkstattersatzfahrzeug vom Reparaturbetrieb. Dazu musste ich einen Leihwagenvertrag abschließen. Blöderweise habe ich nicht gesehen und es hat mir auch niemand gesagt, dass bei einem Schaden eine Selbstbeteiligung bis zu 1.020,00 Euro zu zahlen sind. Ich freute mich über das tolle Auto und fuhr richtig gerne damit durch die Gegend. So auch am 3. Tag. Parke in Neu-Isenburg auf einem Parkplatz, neben mir ein weißer dicker Mercedes. Als ich wieder aus dem Schnellrestaurant kam, waren am Leihwagen dicke Kratzer. Mir blieb fast das Herz stehen! Auch das noch. Bei Rückgabe musste ich das natürlich sagen und prompt kam nach ein paar Tagen auch die Rechnung. Selbstbeteiligung in Höhe von 1.020,00 € sofort zu zahlen. Da gings dann rund hier. Ich telefonierte mit einem Anwalt von der Rechtschutzversicherung, Verbraucherschutz, Freunde und Bekannte. Es war nur noch nervenaufreibend das ganze. Was ein Glück hat mir eine gute Freundin geholfen und ich konnte die Angelegenheit vergessen. Die nächsten Monate ist Sparen angesagt.

Im März habe ich einiges in meiner Wohnung umgestellt und geändert. Die Sommerdeko aus dem Keller usw. und sofort. Meine Rückenschmerzen sind tageweise unerträglich.

Der April war so chaotisch, das kann ich hier gar nicht alles aufzählen. Wieder nach Gießen in die Ambulanz der Orthopädie. Röntgen, Besprechungen, Warten. Im Juni soll MRT gemacht werden.

Ich trennte mich von meiner Haushaltshilfe. Wie das immer so ist. Ein Wort gibt das andere. Nach elf Monaten „Ausbildung“ bei mir, konnte ich keine Selbständigkeit bei ihr feststellen. Ich musste immer dabeibleiben und das raubte mir auch die Zeit, die ich dringend für meine Angelegenheiten brauchte. Ständig brauchte sie Urlaub oder konnte nicht rechtzeitig da sein. Verschlafen, Bus kam nicht, Zug verpasst, Schlüssel vergessen. Mir reichte das dann alles. Gut, dass sie von alleine „Streit“ anfing, so hatte ich noch einen Grund mehr, mich doch lieber von ihr zu trennen. Von heute auf morgen stand ich alleine da. Ging auch mal, aber nur vier Wochen. Jetzt bin ich wieder gut versorgt.

Neuerdings backe ich mein Brot selbst. Das geht so einfach und vor ein paar Jahren wäre das  nicht möglich gewesen. Ich hätte das Handrührgerät gar nicht festhalten können und die Rührschüssel. Da weiß ich, dass keine Konservierungsstoffe oder andere belastende Stoffe drin sind.

So langsam kümmere ich mich auch wieder um die Marketingabteilung. Da habe ich sehr viel versäumt in den letzten Monaten. Mal sehn, ob meine Mails und Postings, Spots usw. etwas bewirken. Aber jetzt ist erstmal Pfingsten und da bewegt sich ja auch nicht viel, außer die Blechkolonnen auf der Autobahn nach Nord und Süd.

Für heute ist das erst einmal alles. Ich bastel noch an einem Videoclip mit Lesung eines kurzen Ausschnitts aus meinem Buch.

Bis bald und haltet Euch munter!

Barbara Eyrich – Flyer 3

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